aspect-ratio 10x9 Media Magica: in Sammlung von Werner Nekes

Media Magica: in Sammlung von Werner Nekes, Foto: MONO KROM (© MONO KROM)

Siegfried Zielinski, der Rektor der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, wurde eingeladen, auf dem Symposium „Science and Engineering in the Islamic Heritage” einen Vortrag über den muslimischen Gelehrten Ibn al-Haytham zu halten.

Vieles, auf was wir in der modernen Forschung aufbauen, ist uns durch muslimische Gelehrte und WissenschaftlerInnen vermittelt worden. In Bagdad wurde beispielsweise bereits im 9. Jahrhundert ein „Haus der Weisheit“ gegründet, das wie ein modernes Forschungslabor funktionierte. Der Geschichte des Wissens der arabisch-islamischen Kultur ist nun in London das Symposium „Science and Engineering in the Islamic Heritage“ gewidmet, das von der Al-Furqan Islamic Heritage Foundation gemeinsam mit der Foundation for Science, Technology and Civilisation (UK) organisiert wird.

Als Medienarchäologe spricht Siegfried Zielinski in seinem Vortrag „Ibn al-Haytham's Concept of Vision - A Media Archaeological Approach“ auf dem Symposium über Ibn al-Haytham (965-1039), einen muslimischen Mathematiker, Astronomen, Optiker und Naturphilosophen des 11. Jahrhunderts. Al-Haytham wird von WissenschaftshistorikerInnen auf eine Stufe mit Galileo Galilei gestellt. Er verfasste eine bis heute relevante Theorie der Optik, die noch immer nicht vollständig in westliche Sprachen übersetzt wurde. Er kann als einer der Mitbegründer der Lehre vom perspektivischen Sehen und zahlreicher optischer Experimente betrachtet werden. Bereits im frühen 11. Jahrhundert konstruierte er unter anderem eine Camera Obscura für die Beobachtung von Planetenbewegungen, die in Europa erst Jahrhunderte später als Erfindung der Renaissance gefeiert wurde.

Nach dem Untergang des antiken Roms kam der wissenschaftliche Fortschritt in Westeuropa beinahe zum Stillstand. In der muslimischen Welt jedoch florierte ein Zeitalter der Entdeckungen zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten zwischen dem 7. und 18. Jahrhundert. Gelehrte verschiedener Glaubensrichtungen und Kulturen bauten auf dem Wissen des antiken Ägyptens, Mesopotamiens, Persiens, Chinas, Indiens und der Griechen auf. Ihnen gelangen Durchbrüche, die halfen, den Weg für die europäische Renaissance zu ebnen.

In der Vergangenheit drückten WissenschaftlerInnen und Gelehrte – MathematikerInnen, AstronomInnen, ChemikerInnen, PhysikerInnen, ArchitektInnen, IngenieurInnen, WirtschaftswissenschaftlerInnen, SoziologInnen, KünstlerInnen, KunsthandwerkerInnen, HistorikerInnen, GeographInnen und PädagogInnen –Ihren Glauben sehr häufig aus, indem sie einen nützlichen Beitrag für die Gesellschaft und die Menschheit leisteten. Sie taten dies, betrachtet man die damaligen Bedingungen, mit verhältnismäßig großer Weltoffenheit und, in manchen Fällen, in Zusammenarbeit mit Menschen anderer Glaubensrichtungen, Kulturen und Hintergründe.

Das Symposium wird einige der Beiträge dieser WissenschaftlerInnen in verschiedenen Feldern beleuchten, mit einem besonderen Fokus auf Astronomie, Mathematik, Physik, Optik, Technik oder auch Instrumente. Zudem soll das Symposium Wege finden, diese Beiträge öffentlich zugänglich zu machen, um dadurch den interkulturellen Respekt zu erhöhen. Neben Prof. Dr. Zielinski nehmen weitere hochkarätige internationale Wissenschaftler wie Prof. William Shea, Prof. Charles Burnett, Prof. David King, Prof. Andrea Bernardoni, Prof. Karen Pinto an der Konferenz teil. Im Anschluss sind die Teilnehmer zu einem Empfang in das britische Oberhaus, das „House of Lords“, eingeladen.

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