aspect-ratio 10x9 Quelle: Bettmann Portable Archive. New York: Picture House Press, Inc., 1966, S. 204, Bildausschnitt

Quelle: Bettmann Portable Archive. New York: Picture House Press, Inc., 1966, S. 204, Bildausschnitt

07.06.2018, 18:30 Uhr auf der Lichtbrücke, 1. OG


Cheryce von Xylander, „Spengler Goes West“

Die Gedanken sind bekanntlich frei – ihre Migrationsgeschichten auch. Die Thesen des deutschen Kulturphilosophen Oswald Spengler (1880–1936) zum Untergang des Westens klingen in den politischen Reden der heutigen Gegner der Geflüchteten an. Ob in Europa oder Nordamerika – das Ende bestehender Staatsgebilde wird heraufbeschworen. Nach dem langen Schlummern der Spenglerschen Niedergangsrhetorik und ihrer umfassenden Nachkriegsaufarbeitung, befremdet ihre plötzliche Salonfähigkeit hierzulande. Unbeachtet bleibt dabei die nachhaltige Rezeption seiner Lektüre in den USA – eine Aneignung, die durch keinerlei Problembewusstsein geschmälert über den Technikapostel Lewis Mumford (1895–1990) und die reaktionäre Kultphilosophin Ayn Rand (1905–1982) bis heute ungebrochen nachwirkt.

Dr. Cheryce von Xylander lehrt Philosophie an der BTU Cottbus-Senftenberg.


Ulf Wuggenig, „Megalothymia. Ozarichi März 1944 und Wehrmachtsverherrlichung in Karlsruhe und Lüneburg“

Megalotyhmia zählt zu den Grundlagen einer Disposition, die zur Unterscheidung von Herren- und Untermenschen führen und zudem in die Vorstellung münden kann, dass es legitim sei, Vernichtungskriege mit rassistischer bzw. politischer Begründung zu entfachen. Infanteriedivisionen aus Karlsruhe (35. I.D.) ebenso wie aus Lüneburg (110. I.D.) waren 1944 an einem der größten Kriegsverbrechen der Wehrmacht im Osten – Ozarichi (Belarus) – beteiligt. Die Städte organisieren Erinnerung, Verdrängung und Vergessen auf recht unterschiedliche Weise, die „Leidenschaft der Ignoranz” (Lacan), in beiden sozialen Feldern präsent, manifestiert sich in durchaus differentieller Form.
Prof. Dr. Ulf Wuggenig ist Leiter (mit Susanne Leeb) des Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg und Dekan ihrer Fakultät Kulturwissenschaften.

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