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© Bárbara Strange / HfG Karlsruhe

Im Oktober 2017 ist das gemeinsame Programm von ZKM und HfG Karlsruhe „Archivists in Residence“ in die dritte Runde gegangen. Matthieu Vlaminck bearbeitet das noch junge Feld der Konservierung und Archivierung digitaler Objekte und Kunstwerke. In seiner Residency fokussiert er sich auf den Umgang mit proprietärer Software in Werken der Medienkunst. Was bedeutet es für das Werk, wenn verwendete Software obsolet wird oder nicht mehr im vollem Umfang öffentlich zugänglich ist? Wenn es dadurch beschädigt oder gänzlich funktionsunfähig wird? Und welche datenpolitischen Ökonomien spielen hierbei eine Rolle und können kritisch adressiert werden?

Zu Beginn von Matthieus Residency richtet er diese Fragen an den öffentlichen Raum von ZKM und HfG Karlsruhe – anhand eines Klassikers der Net Art, in dem sie virulent werden: Cornelina Sollfranks „net.art generator“, eine Arbeit von 1999, die aus Bild- und Textinformationen Bildcluster generiert. Das Werk, dessen Datenzugriff auf der Google API basiert, funktioniert durch Systemänderungen und Suchanfrageeinschränkungen, die Google seit Jahren praktiziert, nur noch eingeschränkt. Die Künstlerin hat auf Änderungen des Google-Algorithmus wiederholt reagiert und ihr Werk in mittlerweile fünf Versionen angepasst. Im „net.art generator“ zeigen sich damit nicht nur technische Probleme, die auch für andere digitale Werke relevant sind. Es werden darüber hinaus auch Probleme aufgezeigt, die mit Datenpolitik und ihren Hegemonien zusammenhängen. Die Podiumsdiskussion thematisiert diese sowohl technischen als auch politisch-ökonomischen Zusammenhänge und versucht, Strategien und Taktiken für die Entwicklung und funktionsfähige Aufbewahrung digitaler Werke zu entwickeln. Während des Workshops sollen erste Ideen experimentell ausprobiert werden, etwa Social Hacking oder die Entwicklung einer völlig neuen API. Zusammen mit der Künstlerin wollen wir diskutieren, wie die Probleme proprietärer Software gelöst werden können, warum und worin sie überhaupt bestehen und welche politischen, kunsttheoretischen Implikationen sich dahinter verbergen. Eingeladen sind deshalb nicht nur ProgrammiererInnen und BastlerInnen, sondern auch KünstlerInnen und KunsttheoretikerInnen – und natürlich alle, die Interesse haben.

An Podiumsdiskussion und Workshop teilnehmen werden Cornelia Sollfrank und Matthieu Vlaminck sowie Winnie Soon, Assistant Professor am Department of Digital Design and Information Studies der Aarhus University, und Morgane Stricot, Restauratorin für Medienkunst am ZKM. Studierende der HfG und aller Hochschulen, TheoretikerInnen, KünstlerInnen und Interessierte sind herzlich zur Teilnahme eingeladen.

Anmeldungen für den Workshop bitte an ;
Voraussetzungen für den Workshop: Grundlegende Programmierkenntnisse sind erwünscht (allerdings keine hohen Anforderungen); bitte eigenen Laptop mitbringen.

Podiumsdiskussion: 13.12.2017, 18:00, Großes Studio, HfG Karlsruhe
Workshop: 14.12.2017, 10:00–18:00 in der Ausstellung „Open Codes“ am ZKM (freier Eintritt)


Matthieu Vlaminck:

Ich komme aus Avignon wo ich an der Ecole Supérieure d’Art studiert habe. Zuvor habe ich ein Diplom im Programmierung, dann eines im Bereich Musik für Cello absolviert und dazwischen ein kleines Videospiel entwickelt. Meine derzeitige Spezialität ist die Restaurierung von 3D/CGI Modelle von Kinoproduktionen und zwischen all diesen Dingen findet sich auch immer eine heiße Tasse Kaffee auf meinem Schreibtisch…


Morgane Stricot

ist Medienrestauratorin und Leiterin der digitalen Restaurierung am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Sie promoviert am PAMAL, préservation et archéologie des arts médiatiques zu den Grenzen der Medienarchäologie als Restaurierungstheorie. 2015 hat sie für ihre Forschungen den Leonardo Award des The Emerging Researches’ Symposium „Media Art Histories Re-Create“ in Montreal erhalten.


Cornelia Sollfrank (Berlin)

ist Künstlerin, Forscherin und Dozentin.
Sie studierte freie Kunst an der Akademie der bildenden Künste München und an der HFBK Hamburg. An der University of Dundee (UK) promovierte sie zur eigenen künstlerischen Arbeit, digitale Medien und Netzwerkkulturen als neue Formen der politischen Organisation, Autorenschaft und geistiges Eigentum, sowie Gender und Techno-Feminismus. Die Arbeit mit dem Titel Performing the Paradoxes of Intellectual Property behandelt die konfliktreiche Bezeichnung zwischen Kunst und Copyright und führte zu ihrem derzeitigen Interessensfeld: digitales Gemeingut und seine Ästhetik.
Die Pionierin der Internet Kunst hat sie sich durch zahlreiche Projekte diesen Ruf erarbeitet: Der net.art generator – eine webbasierte kunstproduzierende Maschine, Female Extension – ihr berühmter Hack des ersten Wettberwerbs für Internet Kunst, und auch Old Boys Network (1997–2001) – als Teil ihrer Aktitivtäten die auf Cyberfeminismus Bezug nehmen, um nur einige Beispiele zu nennen. Im Moment sie als Gastwissenschaftlerin in dem Projekt Creating Commons an der ZHdK.
Info: artwarez.org


Winnie Soon (Hong Kong, Aarhus)

ist Kunstforscherin und Programmiererin. In Bezug auf den kulturellen, sozialen und politischen Kontext von Technologie verbindet Soons Arbeit künstlerische Praxis und Programmierung um die Materialität von Computerprozesse zu untersuchen, welche unsere Erfahrung von digitaler Kultur und deren Realität sicherstellen.
Ihre Projekte und Vorträge wurde weltweit in Museen, Kunstfestivals, Universitäten und Konferenz gezeigt: Einschließlich aber nicht ausschließlich auf der Transmediale2015/2017 (Berlin), ISEA2015/2016 (Vancouver, Hong Kong), V&A Museum (London), ARoS Aarhus Art Museum (Aarhus), Si Shang Art Museum (Beijing), Pulse Art + Technology Festival (Savannah, USA), FutureEverything Art Exhibition (Manchester), The Wrong – New Digital Art Biennale, Hong Kong Microwave International Media Arts Festival, Taipei National University of Arts und The University of Hong Kong.
Im Moment arbeitet sie als Gastprofessorin an der Aarhus Universität (DK) im Bereich Digital Design und Information Studies und lehrt Aestethic Programming und Digital Culture.
Info: siusoon.net

Das Programm „Archivists in Residence“ wird koordiniert von Margit Rosen und Felix Mittelberger für das ZKM und Daniel Irrgang für die HfG Karlsruhe.

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