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Der unreine Terminus Skizzogramm verbindet die Skizze mit dem Diagramm. Wer versehentlich „Schizogramm“ hört, liegt auch nicht ganz falsch. Der Vortrag macht den Vorschlag, skizzenhafte „Weisen der Welterzeugung“ zu identifizieren und zu beschreiben – in literarisierten, nicht selten philosophisch grundierten, oft autobiografischen Kurzformen, in der Musikformation des „folky-jazzy-acid-blues“ sowie in Zeichnungen von Autoren, Architekturtheoretikern und Grafikern.

Was Roland Barthes über die Zeichnungen von Cy Twombly sagt, trifft den Kern des Skizzogramms. Sie sind Gekritzel, linkisch, zwiespältig, deplatziert, Gebärdenmacherei: „Die Gebärde, die sie hervorbringt, indem sie sich hineinziehen läßt: ein Gewirr, fast ein Geschmier, eine Schlamperei“ mit „extremer Eleganz“. Die gattungslosen Skizzogramme funktionieren wie Bewegungsmelder: innerer wie äußerer Bewegungen. Die Verknüpfbarkeit und Verweisungszusammenhänge dieser so flüchtigen wie pointierten Notationen sollen in Schaustücken markiert und kommentiert werden, aber zugleich auch in eine Versuchsanordnung geschickt werden: in die Analogie und Parallelität von Text-, Bild- und Musikskizze. Namen, die häufig fallen werden: Pessoa, Mayröcker, Dyer, Espedal, Perec, Derrida, D. H.Lawrence, Calvino, Aira, Cortázar, Valéry und Tim Buckley, John Martyn, Laura Nyro, Michael Chapman, Robert Wyatt, Laura Marling, Kendrick Lamar, Sun Kil Moon sowie A. Warburg, R. Venturi, A. Töpfer, C. Twombly, Y. Saint-Laurant, E. Ruscha.

Thomas Düllo ist Professor für Texttheorie /Verbale Kommunikation an der Universität der Künste Berlin. Dekan der Fakultät Gestaltung. Seine Schwerpunkte sind Texttheorie, Narrationsforschung, Wissen der Literatur, Strategie und Kultivierung, Transformationsforschung, Lesarten und Fabrikationen des Städtischen Raums und der Popkultur. Letzte Monografien: Strategie als Kultivierung (mit Franz Liebl) (2015); Abwegen und Abschweifen. Versuch über die narrative Drift (2015); Kultur als Transformation (2011).

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