„Das Spektakel vereinigt das Getrennte, aber nur als Getrenntes.“
Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels, 1967

Sehr geehrte Studierende, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Ganz ohne Zweifel gehört der Austausch innerhalb und zwischen den verschiedenen Mitgliedsgruppen der Hochschule zu den wichtigsten Formen des gemeinsamen Arbeitens; er ist Voraussetzung aller konstruktiven Veränderungen. Dass dabei nicht nur Meinungen aufeinandertreffen, die sich gut vertragen, versteht sich von selbst. Die Vielfalt unterschiedlicher Standpunkte ist die Voraussetzung einer interessanten Debattenkultur. Dennoch, oder gerade deswegen, sollten stets – auch online – Grundsätze des gegenseitigen Respekts und der sachgerechten Auseinandersetzung beachtet werden. Sie sind Voraussetzung dafür, dass ein Maximum der Pluralität an Positionen, die eine Kunsthochschule spannend und lebendig machen, erhalten und weiterentwickelt werden kann.

An der HfG gibt es das Privileg, dass Studierende elektronisch sowohl an alle Akademischen MitarbeiterInnen als auch an alle ProfessorInnen schreiben können. Das ist sehr ungewöhnlich für eine Universität. Allein von Seiten der Studierenden alle Studierende anschreiben zu dürfen, wird normalerweise an den Universitäten aus den verschiedensten sehr triftigen Gründen nicht zugelassen.

In jüngster Vergangenheit wurden wieder aus dem geschützten Raum des allgemeinen Email-Verteilers heraus Nachrichten An Alle versendet, die den grundlegenden Voraussetzungen des Persönlichkeitsschutzes und des Respekts vor dem anderen nicht gerecht wurden, und die sowohl inhaltlich als auch in der Form höchst problematisch waren. In einem besonderen Fall nahm die nicht sehr überlegte Handlung derart diffamierenden Charakter an, dass dies sogar Konsequenzen hätte zeitigen können, für die die Hochschule juristisch zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Am wichtigsten ist aber etwas, was den meisten, die den Gesamtverteiler bedienen, vermutlich nicht bewusst ist: Er umfasst auch Hunderte ehemalige ProfessorInnen, MitarbeiterInnen sowie Studierende, die noch eine HfG-Adresse haben, und die in New York, Brüssel, Hongkong, Berlin oder wo immer sie wohnen, mit derartigen Botschaften konfrontiert werden. Wie ich aus einigen persönlichen Erzählungen weiß, sind sie immer wieder entsetzt über einzelne Texte, die sie erhalten. Der Verteiler an alle Mitgliedsgruppen und Angehörige der Hochschule hat zudem in kleinerer Form durchaus massenmedialen Charakter und berührt deshalb publizistische Belange.

Wir arbeiten bereits an einer Aufgliederung der Verteiler für ehemalige und derzeitige Mitglieder der Hochschule. Wegen des dringenden aktuellen Handlungsbedarfs haben wir jetzt aber die EDV-Abteilung bitten müssen, das Mailsystem zunächst einmal so zu ändern, dass die einzelnen Verteiler nicht ohne weiteres von allen bedient werden können. Weiterhin können die einzelnen Mitgliedsgruppen selbstverständlich untereinander kommunizieren, d. h., Studierende können selbstverständlich weiterhin an den Studierenden-Verteiler schreiben. MitarbeiterInnen können innerhalb ihrer Mitgliedsgruppe und an Studierende schreiben; ProfessorInnen an alle drei Gruppen. Wenn Studierende Nachrichten an alle Mitgliedsgruppen und Angehörige der HfG versenden möchten, bitten wir um eine Mitteilung an Isabel Koch, die als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit auch für die interne Kommunikation der Hochschule zuständig ist –  Dies gilt auch für Nachrichten von MitarbeiterInnen an den Verteiler der ProfessorInnen. Frau Koch wird sich diese Nachrichten anschauen und dann über den entsprechenden Verteiler weiterleiten. Hierbei geht es nicht um Zensur, sondern um die Prüfung der jeweiligen Nachricht auf Unbedenklichkeit, sowohl in rechtlicher Hinsicht als auch im Hinblick auf etwaige Diffamierungen von Mitgliedern und Angehörigen der Hochschule. Sollten Nachrichten im Hinblick auf ihre breitere Veröffentlichung bedenklich sein, wird das Rektorat mit den Absendern das Gespräch suchen, um mögliche Konflikte zu vermeiden.

Wir sind uns darüber im Klaren, dass die hoffentlich vorübergehende Einschränkung der Verteiler keine optimale Lösung ist – schon gar keine endgültige. Vielmehr nehmen wir sie zum Anlass, um eine Debatte unter den Studierenden und allen Mitgliedern der Hochschule über verantwortungsvolle Kommunikation und Netiquette anzuregen. Wir erhoffen uns dadurch eine Reflexion über persönliche Verantwortung und Integrität, die bei der öffentlichen Kommunikation im Internet eine immer wichtiger werdende Rolle spielt. Nicht nur an der HfG Karlsruhe.

Wir hoffen auf konstruktive Vorschläge und auf eine Debatte über das Thema, vor allem innerhalb der Gruppe der Studierenden, aber auch mit den MitarbeiterInnen und ProfessorInnen. Solche Debatten können und sollten durchaus auch andere Plattformen als jene der digitalen Öffentlichkeiten nutzen. Wir unterstützen gern entsprechende Initiativen und laden auch zum persönlichen Gespräch ein.

Mit der freundlichen Bitte um Verständnis

vom Rektorat der HfG