Die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe zeichnet sich in allen Bereichen durch eine forschungsintensive Praxis aus. Die Entwicklung neuer Ideen, die kritische Erforschung neuer Materialien und Techniken sowie das Vorantreiben des kritischen Diskurses zu den fortgeschrittenen Künsten und Gestaltungen gehört zu ihrem Gründungsprogramm. Kommunikations- oder Produktdesign sind hier keine Berufsausbildungsgänge, sondern entwickelte experimentelle Praxen, aus denen heraus auch neue zukunftsweisende Lösungen generiert werden. In den Künsten, die mit und durch Medien realisiert werden, spielt die Erforschung neuester Kommunikations- und Informationstechniken eine herausragende Rolle. Einige der besonderen Forschungs- und Entwicklungsprojekte sind zur Zeit:


Ramon Llull – Denkmaschinen

Zusammen mit dem CCCB und dem Philosophen Amador Vega aus Barcelona entwirft und gestaltet die HfG zusammen mit dem ZKM (Peter Weibel) eine große Ausstellung zur Ars Combinatoria des Mittelalters als wesentlicher Voraussetzung für die Entwicklung algorithmischer Kulturtechniken. In diesem Projekt wird einerseits der Beitrag der arabisch-islamischen Wissenskultur weiter erforscht, wie sie bereits Gegenstand der Projekts „Allahs Automaten“ ist. Andererseits werden die Genealogien algorithmischer Artefakte und zeitgenössischer Kunstpraxen mit kombinatorischen Maschinen präzise rekonstruiert.

Link zur Ausstellung im CCCB


Archäologie der Bild- und Sehmaschinen in der Sammlung Werner Nekes

Anhand der bedeutendsten Sammlung von Artefakten und Systemen zum Sehen und Visualisieren mit technischen Mitteln, die der Filmemacher und Professor Werner Nekes über die letzten Jahrzehnte aufgebaut hat, wird eine Geschichte der Wahrnehmung konstruiert, die sich über die gesamte Strecke der europäischen Moderne ausdehnt. Gezielte Überschreitungen in chinesische, indische oder arabische Bild- und Inszenierungskulturen sind Bestandteil des integrierenden Projekts. Die für das ZKM Karlsruhe geplante Ausstellung soll zugleich eine dauerhafte Forschungsplattform für die Genealogie von Seh- und Bildmaschinerien in Karlsruhe konstituieren.


Potential Spaces. How can Art and Design be Studied and Researched in the 21st Century?

Die Konferenz (16.–18. Februar 2017) ist der Auftakt zum Bedenken der Gründung der HfG Karlsruhe vor 25 Jahren. Wie bei der Gründung ist die wichtigste Geste nicht retrospektiv, sondern prospektiv. Wir stellen uns den Fragen und Herausforderungen an eine mögliche Zukunft der Hochschule und ihrer Verbindungen zum ZKM | Center for Art and Media Karlsruhe. Der von Donald Winnicott geprägte Begriff der potential spaces scheint uns geeignet, um die Spielräume der Zukunft so radikal wie möglich auszuloten. Weder interessieren uns die Etablierung eines neuen institutionellen Zusammenhangs noch die rigide Definition von Programmen. Es geht um das Durchdenken der Möglichkeiten, die Künste und Design in den nächsten Jahrzehnten mondial haben werden und wie wir diese lehren, studieren und erforschen können. Das Neudenken des Dispositivs Kunstakademie soll hierbei genauso Platz finden wie das Nachdenken über die Möglichkeiten offener, vernetzter Kollaborationen.

Am Abend des 16. Februar 2017 wird die Konferenz im „Kubus“ des ZKM eröffnet, die Eröffnung wird von künstlerischen Interventionen begleitet. Unmittelbar nach der Konferenz sollen die Analysen und Ergebnisse in einem englischsprachigen Reader verarbeitet und veröffentlicht werden.


Future Design

Unter diesem Begriff lassen sich eine Reihe von Teilprojekten zusammenfassen, in deren Zentrum fortgeschrittene Bild- und Visualisierungstechniken wie Virtuelle Realitäten (VR) oder dreidimensionale Illusionierungstechniken wie die kinematographische Stereoskopie stehen. Diese Projekte existieren bereits, wie das von der MfG Baden-Württembergs geförderte Projekt „Down the Rabbit Hole“, oder sie befinden sich noch in der Antragsphase wie das Projekt zum „Design der Zukunft“ für das Kreative Kulturprogramm der Europäischen Union.


Research & Development in Art & Technology

Gemeinsam mit der Ausstellungs- und Forschungsplattform des ZKM plant die HfG einen weltweit bisher einmaligen postgradualen Studiengang, in dem geistes- und naturwissenschaftliche Forschung in enger Verbindung mit gestalterischen und künstlerischen Projekten einer fortgeschrittenen Museumsmaschine generiert und gelehrt werden. Der englischsprachige Studiengang soll mit einem hybriden internationalen PhD abgeschlossen werden.


Archivists in Residence

Im August 2016 haben die HfG Karlsruhe und das ZKM gemeinsam das Forschungs- und Entwicklungsprogramm „Archivists in Residence“ ins Leben gerufen. Die viermonatige Residency, die zweimal im Jahr angeboten wird, richtet sich an junge Forscherinnen und Forscher, die sich wissenschaftlich und/oder künstlerisch mit Archiven und archivarischen Praktiken im großzügigen Verständnis dieser Begriffe auseinandersetzen. Forschungsobjekte sind künstlerische Artefakte, die im Ephemeren jener technologischen Realitäten existieren, die bereits heute dem kulturellen Oblivion anheim zu fallen drohen. Archivarinnen und Archivare der Gegenwart und der Zukunft, die sich den damit verbundenen Herausforderungen stellen, müssen hybride qualifizierte Forscherpersönlichkeiten sein. Sie sollten sich in der Informatik und der Informationswissenschaft genauso gut auskennen wie in der Archäologie der Künste und Medien und einer kritischen Archivologie. Um solch ein Arbeitsfeld wirksam zu unterstützen, bündeln die HfG Karlsruhe und das ZKM ihre Ressourcen und bieten der Residency ein adäquates Forschungsumfeld.


IMAGIT

IMAGIT ist ein internationales Kooperationsprojekt zwischen der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, brainz (Prag), HANGAR.ORG (Barcelona) und The Hungarian University of Fine Arts (Budapest), unterstützt durch das Creative Europe Programm der Europäischen Kommission. Das Projekt widmet sich der Entwicklung und Erforschung kreativer digitaler Kommunikationsformen, gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertreter aus Kunst, Design, Wissenschaft und Technologie. Besondere Interessensschwerpunkte liegen in den Bereichen Gamification, User-Interaktion, non-verbale Kommunikation sowie der reflexiven und künstlerischen Auseinandersetzung von Daten und Sound.

Projekt-Website: www.imagit.net